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Kaiserschnitt, Rolfing und Narbenbehandlung

Vor etwas mehr als 14 Jahren habe ich meine Tochter per Kaiserschnitt entbunden. Zunächst erschien alles prima: Die Wundnaht verheilte zügig und gut und die verhältnismäßig kleine und tief sitzende Narbe störte mich kaum.

Allerdings empfand ich ein Taubheits- und Kältegefühl oberhalb der Narbe und hatte häufig einen Juckreiz um die Narbe herum. Im Laufe der Zeit dann entwickelte ich zudem Schmerzen im unteren Rücken, die ich allerdings auf das Heben und Tragen meiner Tochter zurückführte.

 

Etwa 2 Jahre später machte ich eine Rolfing Behandlung bei einer Kollegin, die mit dem Ergebnis allerdings nur bedingt zufrieden war. Sie hätte sich für mich etwas mehr Länge an der Vorderseite meines Oberkörpers gewünscht, lautete ihr Feedback. Ich selbst empfand diese „Einschränkung“ trotz meiner sehr guten Körperwahrnehmung immer noch nicht als solche.

 

Kurze Zeit später machte in eine Weiterbildung zum Thema „Integration von Narbengewebe in das Faszien-Netz “. Der Workshop wurde von Sharon Wheeler, einer US-Kollegin durchgeführt, die die Methode der Narbenbehandlung entwickelt hat. Dank meiner Kaiserschnittnarbe war ich Teilnehmerin und Probandin zugleich. Sharon Wheeler demonstrierte zunächst die Einschränkungen in der Mobilität, die sich durch meine Narbe ergaben und arbeitete dann an den Strukturen im Bauchraum und um die Narbe herum.

Als ich von der Behandlungsliege aufstand hatte ich das Gefühl, als hätte jemand das Gummiband zerschnitten, das meinen Schultergürtel mit meinem Becken verband  – ich hatte den Eindruck um einige Zentimeter gewachsen zu sein und meine Vorderseite schien sich endlos strecken zu wollen! Erst da verstand ich, was meine Rolfing Kollegin damals gemeint hatte.
Das Gefühl der Länge auf der Vorderseite habe ich heute noch, der Juckreiz und das Taubheits- und Kältegefühl waren jedoch nach der Behandlung verschwunden und tauchten bis heute nicht mehr auf.

 

Aber wie kam es zu diesen Einschränkungen, also den Rückenschmerzen, dem Taubheits- und Kältegefühl, dem Juckreiz und der mangelnden Länge an der Vorderseite meines Oberkörpers?

Beim Kaiserschnitt werden zunächst die Hautschichten, dann die Fett-, Faszien und Muskelschichten durchtrennt und zuletzt die Gebärmutter samt Bindegewebshülle eröffnet. Mit dem Schnitt werden auch Blutgefäße und Nerven durchtrennt. Nach der Geburt werden alle diese Schichten separat vernäht.

Nach einer Verletzung oder OP beginnt der Körper zunächst mit dem Wundheilungs-prozess und produziert verstärkt Bindegewebsfasern um die Wunde zusammen zu ziehen und somit zu stabilisieren. Eine Wiederherstellung der ursprünglichen Schicht findet nicht statt. Das „neue“ Gewebe ist funktional eingeschränkt, weniger durchblutet und kaum elastisch. Gesunde Hautschichten und Strukturen gleiten aufeinander – Narbengewebe kann das nicht mehr leisten.

 

Durch die mangelnde Elastizität des Narbengewebes verkürzt die Vorderseite des Oberkörpers, was durch die untere Rückenmuskulatur kompensiert werden muss. Die Folge sind Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Durchtrennte Nerven finden nicht wieder zueinander und es kommt zu Missempfindungen und häufig zu einem pelzigen Gefühl.

 

 

Rolfing und die Methode der Narbenbehandlung (nach Sharon Wheeler) arbeiten gezielt an den stark bindegewebigen Strukturen der Narbe und den umliegenden Strukturen. Dadurch können diese Therapien helfen, Bewegungseinschränkungen und Beschwerden, wie ich sie nach meinem Kaiserschnitt hatte, zu lindern oder ganz zu beseitigen – so wie es an meinem eigenen Körper erleben durfte!

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